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Heinrich Schüle aus dem Blick seiner Nachfahren
 
 
Ein Familientreffen der besonderen Art fand am vergangenen Sonntag in der Illenau statt. Ulrike Tontsch, Urenkelin von Heinrich Schüle, dem dritten Direktor der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt, hatte den Besuch von Tochter und Ehemann geschenkt bekommen.
 
„Ende der 1990er Jahre war ich einmal in Achern. Damals war ich Leiterin des Goethe-Instituts in Barcelona und nutzte eine Heimfahrt nach Bamberg zu einem Ausflug nach Achern“, erinnert sich Ulrike Tontsch.
 
Begeistert zeigt sie sich von den sichtbar guten Veränderungen und vom Stand der Entwicklung. „Damals war hier alles ziemlich leer und eher verlassen.“
 
Aus dem Tagebuch des Großvaters Adolf Schüle bringt die Germanistin Erkenntnisse mit, die auch heute von Interesse sind.
 
Adolf, das älteste von insgesamt vier Kindern Heinrich Schüles und seiner Frau Ida, sei drei Jahre nach dem Start des Vaters in der Illenau geboren worden. In Achern hat er die Volksschule besucht. Nach einem Jahr in der Höheren Bürgerschule habe er nach Freiburg ziehen müssen, weil Achern zu dieser Zeit noch keine höhere Schule hatte. Der Divisions- und Gefängnispfarrer Ströbe, so Schüle, sei ehemals Anstaltspfarrer in der Illenau und ein „übler Pfaffe“ gewesen.
 
Christian Roller, den Gründer und ersten Direktor der Illenau, beschreibt Adolf Schüle als „strengen Herrscher, Büro- und Autokrat“, während er dessen Freund und Nachfolger Karl Hergt „als lieb und gütig“ in Erinnerung hat.
 
Die Eltern hätten sich kennengelernt, weil der Bruder der Mutter wie Heinrich Schüle in Freiburg Medizin studierte. Auf Anraten des Professors Kussmaul sei Heinrich Schüle direkt nach dem Studium in die Illenau gegangen. Dort sei er auch gut angekommen, habe er doch mit 21 auch ohne Einwände die Genehmigung zur Heirat erhalten.  
 
Heinrich Schüle, der in wissenschaftlicher Hinsicht eventuell bedeutendste aller Illenau-Leiter, der bis zu seinem Tod im Dezember 1916 mehr als 50 Jahre in der Illenau gelebt und mehrere Angebote von Lehrstühlen abgelehnt hatte, „sorgte rührend für Frau und Kind, hatte ein offenes Herz für die Kranken, der Beruf ging ihm über alles.“ Und, charakterisiert Adolf Schüle seinen berühmten Vater weiter, „er war sicher ein außergewöhnlicher Mensch, dessen berufliche und wissenschaftliche Eigenschaften die des Charakters überragten.“   
 
Von seiner jüngsten Schwester Else erzählt Adolf Schüle, dass sie den Arzt Fischer aus der Illenau geheiratet hat. Mit ihm sei sie nach Emmendingen und dann nach Wiesloch gegangen. Max Fischer wurde Direktor der ab 1905 erbauten Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch. Ihr voraus war eine Denkschrift gegangen, die Heinrich Schüle 1901 zusammen mit den Direktoren der Anstalten in Pforzheim und Emmendingen „über den gegenwärtigen Zustand der Irrenfürsorge in Baden und deren zukünftige Gestaltung“ verfasst hatte.
 
In Illenau wurde in dieser mit starker Überbelegung verbundenen schwierigen Zeit auch baulich modernisiert, in Wiesloch dann Patienten aus Illenau, Emmendingen und Pforzheim übernommen.
 
Ulrike Tontsch, deren Ehemann Manfred die Tagebucheinträge aus altdeutscher in die lateinische Schrift übertragen hatte, zeigte sich neben dem Museum auch von dem ebenfalls durch Heinrich Schüle modernisierten Friedhof sehr angetan. Vor seinem Tod hatte Schüle dort eine Grabstätte für die Familie errichtet. Im Unterschied zu seinen Vorgängern Roller und Hergt, deren Gräber durch christliche Symbole geprägt sind, hatte sich Heinrich Schüle für das von Johann Wolfgang von Goethe verfasste „Wanderers Nachtlied“ als Inschrift entschieden. „Über allen Gipfeln ist Ruh.“
 
„Ja, mein Urgroßvater war ein Autokrat. Aber er war wohl trotz langjähriger Treue zur Illenau, weswegen ihm mein Großvater "zu große Verbundenheit zur Scholle" nachgesagt hat, ein Freigeist geblieben“, sagt Ulrike Tontsch.
 
Ohne von dieser Grabstätte zu wissen, sei sie interessanterweise beruflich auch „bei Goethe“, und zwar beim Goethe-Institut gelandet. Erst später erfuhr sie, dass Großvater Adolf, der in Freiburg von der ursprünglichen katholischen zur protestantischen Konfession gewechselt war, nebenbei auch ein großer Goethe-Liebhaber war und sogar Aufsätze über den Dichter veröffentlichte. 
 
Als habilitierter Mediziner wurde ihm von 1898 bis 1929 nicht nur die Leitung des Diakonissenkrankenhauses in Freiburg übertragen, sondern auch 28 Jahre lang die Professur für Gerichtsmedizin an der Universität in Freiburg.
 
Pressetext und Foto: Michael Karle
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