Die Illenauer Gedächtniswege.
Im Umfeld der Illenau.

Die Gedächtniswege wurden auf Initiative von Dr. Gerhard Lötsch und Siegfried Stinus im Naherholungsgebiet Illenau eingerichtet. Sie sollten die Erinnerung an die Geschichte der Illenau zu einem Zeitpunkt wachhalten, als noch nicht absehbar war, ob und welche Zukunft der Gebäudekomplex haben würde. 

Jetzt laden sie dazu ein, auf einem Spaziergang die Geschichte der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt kennen zu lernen und gleichzeitig an ihrem neuen Leben teilzuhaben.

Der „Illenau Gedächtnis-Weg“ wurde am 23.8.2002, der „Hansjakob-Weg“ am 28.5.2005 und der „Hugo-Huber-Weg“ am 24.8.2006 unter großer Beteiligung der Acherner Bevölkerung eröffnet.

 

Der Illenau Gedächtnis-Weg

Im Jahre 1842 begann das segenreiche  Wirken der Großherzoglich Badische Heil- und Pflegeanstalt Illenau. Dr. Christian Roller, der erste Direktor, erarbeitete die Konzeption dieser „neuartig in ihrer Anlage und fortschrittlich in ihrer Organisation und Heilmethode gestalteten Anstalt“. Baurat Hans Voss, ein Schüler Weinbrenners, setzte Rollers Gedanken kongenial in Architektur um und schuf ein bauge-
schichtlich wertvolles Gebäudeensemble im Stil des Klassizismus.

Der Illenau Gedächtnis-Weg folgt weitgehend dem früheren Friedhofsweg, auf dem die Verstorbenen zu ihrer letzten Ruhestätte auf dem nahe gelegenen Friedhof geleitet wurden. Informations-
tafeln begleiten den interessierten Spaziergänger auf seinem Weg und erzählen von der Geschichte

und dem Geist dieser einst als fortschrittlich in ganz Europa bekannten Heil-und Pflegeanstalt. Sie berichten aber auch von der Notzeit zwischen den beiden Weltkriegen und vom tragischen Ende.

Ein Dank gilt Herrn Hugo Huber, der sich um die Erhaltung und Pflege des Friedhofs verdient gemacht hat, sowie dem Bauhof unserer Stadt und dem Staatlichen Forstamt für die Gestaltung des Weges. Gleichzeitig gilt unser Dank dem Lions-Club Achern, der Sparkasse Offenburg-Ortenau, der Volksbank Achern und weiteren Spendern für die finanzielle Unterstützung. 

 

Der Hansjakob-Weg

Hansjakob zählte zu seiner Zeit zu den bekanntesten und populärsten Schriftstellern Süddeutschlands. Er war ein überzeugter Demokrat und Republikaner und einer der ersten Ökologen, der die Umweltverschmutzung anprangerte. Von 1871 bis 1881 war er Abgeordneter im Landtag in Karlsruhe. Wegen seiner politischen Einstellung musste er zweimal eine Haftstrafe antreten. 

Immer wieder litt Heinrich Hansjakob – bei familiärer Vorbelastung - unter depressiven Schüben, die schließlich von 6.Januar bis zum 26.März 1894 zu einer stationären Behandlung in der Illenau führten. Über diesen Aufenthalt schieb er das teilweise noch heute aktuelle Buch „Aus kranken Tagen“ – auch um damit Vorurteile gegenüber psychisch kranken Menschen abbauen zu helfen. Fast täglich unternahm er ausgedehnte Wanderungen, die auf dem Hansjakob-Weg nachgegangen werden können.

In seinem Buch beschreibt er seine Besuche bei Prälat Dr. Franz Xaver Lender in Sasbach und Pfarrer Albin Kern in Oberachern:

„Die Furcht, beim einst so geliebten Alleinsein meiner Schwermuth und meinen Zwangsvorstellungen ganz überlassen zu sein, nötigte mir die Energie auf, Menschen aufzusuchen, um mich zu vergessen. Drum war ich heute bei meinen zwei nächsten außerhalb des Hauses wohnenden geistlichen Nachbarn in Sasbach und Oberachern.“ 

Die Wege, die Hansjakob fast täglich ging, sind bekannt. Zusammen mit der Stadtverwaltung Achern, dem Heimat-und Verschönerungsverein Oberachern, dem Verein für Heimatgeschichte Sasbach und der Gemeinde Sasbach wurden diese Wege ausgeschildert und im Bereich Oberachern teilweise neu angelegt. 

 

Der Hugo-Huber-Weg

Hugo Huber, dessen Name dieser Weg trägt, wurde am 12. Februar 1921 in Achern geboren. Sein Vater war Oberpfleger in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau. 

Im Sommer 1941, drei Tage nach dem Abitur in der Heimschule Lender, wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Er überlebte den Krieg und die Gefangennahme bei der Ardennen-Offensive. Aus Dankbarkeit darüber nahm er sich vor, sich künftig in den Dienst anderer Menschen zu stellen. 

Nach dem Krieg studierte er unter schwierigen Bedingungen Biologie und war später Studiendirektor an der Heimschule Lender. Seine freie Zeit gehörte ganz dem Illenauer Friedhof, den er bei seiner Heimkehr in einem sehr schlechten Zustand vorfand. Er wurde dessen Retter.  Der Friedhof enthält eine Auswahl an seltenen, zum Teil fremdländischen Bäumen und steht heute unter Denkmalschutz.

Das selbstlose Engagement Hugo Hubers bewegte viele, vor allem junge Menschen, ihm zu helfen. Er nahm sich auch der Umgebung des Friedhofs an, forstete den Müllplatz auf und legte einen Waldlehrpfad an. Ihm verdankt Achern das schöne Naherholungsgebiet „Illenauer Wald / Eiskellerwald“. 

Am 31. Oktober 1991 verlieh ihm die Stadt ihre „Bürgermedaille“. Bis ans Ende seines Lebens setzte sich Hugo Huber für den Friedhof und das Naherholungsgebiet ein. Er starb am 15. April 2004 im Alter von 83 Jahren.